Ihre Mutter oder Ihr Vater ist gestürzt und Sie fragen sich: Eltern gestürzt – was tun? Das Wichtigste zuerst: Bewahren Sie Ruhe, verschaffen Sie sich einen Überblick und rufen Sie im Zweifel den Rettungsdienst unter der 112. Dieser Fahrplan begleitet Sie ruhig durch die ersten Minuten, durch Arzt und Reha, durch die Anpassung der Wohnung und durch die Frage, wie Sie den nächsten Sturz besser absichern.
Die ersten Minuten: Sofortmaßnahmen nach dem Sturz
In der akuten Situation zählt ein klarer Kopf mehr als Schnelligkeit. Gehen Sie ruhig und der Reihe nach vor. Helfen Sie nicht sofort beim Aufstehen, sondern schauen Sie zuerst, ob eine Verletzung vorliegt.
- Ansprechbarkeit prüfen: Reagiert Ihre Mutter oder Ihr Vater? Ist die Atmung ruhig und gleichmäßig?
- Auf Warnzeichen achten: starke Schmerzen, ein verdrehtes oder verkürztes Bein, eine Kopfverletzung, Verwirrtheit oder Benommenheit.
- Im Zweifel nicht bewegen: Besteht Verdacht auf einen Knochenbruch (häufig an Hüfte, Handgelenk oder Oberarm) oder eine Kopf- oder Nackenverletzung, lassen Sie die Person möglichst liegen.
- Notruf 112 wählen: bei Bewusstlosigkeit, starken Schmerzen, Verdacht auf Bruch oder Kopfverletzung, oder wenn Sie unsicher sind.
Ist die Person wach, unverletzt und möchte aufstehen, unterstützen Sie sie langsam. Ein guter Weg führt über die Seitenlage, dann in den Vierfüßlerstand, dann mit Hilfe eines stabilen Stuhls nach oben. Drängen Sie nie. Bleibt jemand kraftlos auf dem Boden, bleiben Sie dabei, halten Sie warm und rufen Sie Hilfe.
Ein Sturz ist kein Versagen und kein Grund für Vorwürfe. Er ist ein Signal, genauer hinzusehen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Notieren Sie sich noch vor Ort ein paar Dinge: Wie ist der Sturz passiert? Gab es Schwindel oder einen Moment der Bewusstlosigkeit? Diese Beobachtungen helfen später beim Arzt.
Arzt und Reha: die nächsten Tage begleiten
Auch wenn zunächst alles glimpflich aussieht, ist ein ärztlicher Blick sinnvoll. Manche Folgen zeigen sich erst später, etwa Prellungen, kleine Risse im Knochen oder eine spätere Kopfschwellung.
- Ärztlich abklären lassen: Hausarzt oder – bei deutlichen Beschwerden – die Notaufnahme. Bei Verdacht auf einen Bruch gehört ein Röntgenbild dazu.
- Ursache suchen: Fragen Sie aktiv nach dem Warum. Blutdruck, Kreislauf, Sehkraft, Medikamente und Gleichgewicht spielen oft zusammen. Ein Medikamentencheck kann sich lohnen.
- Reha früh ansprechen: Nach einem Bruch oder einem Klinikaufenthalt kann eine Reha oder Physiotherapie helfen, Kraft und Sicherheit zurückzugewinnen. Das Krankenhaus unterstützt beim Entlassmanagement.
Begleiten Sie Ihre Eltern nach Möglichkeit zu wichtigen Terminen. Vier Ohren hören mehr als zwei, und Sie können offene Fragen notieren. Wenn nach dem Sturz ein Unterstützungsbedarf im Alltag bleibt, lohnt sich früh der Blick auf das Thema Pflege und Leistungen der Pflegekasse. Ein Pflegegrad ist keine Endstation, sondern öffnet oft die Tür zu praktischer Entlastung und finanzieller Unterstützung.
Die Wohnung anpassen und Stolperfallen entschärfen
Viele Stürze passieren zu Hause – dort, wo man sich sicher fühlt. Die gute Nachricht: Mit einfachen Mitteln lässt sich das Zuhause deutlich sicherer machen, ohne dass es nach Krankenhaus aussieht.
- Stolperfallen beseitigen: lose Teppiche, Kabel und herumstehende Gegenstände entfernen oder sicher befestigen.
- Für gutes Licht sorgen: helle Lampen, Nachtlicht auf dem Weg zur Toilette, Lichtschalter gut erreichbar.
- Halt schaffen: Haltegriffe in Bad und WC, ein rutschfester Belag in der Dusche, ein stabiler Handlauf am Treppengeländer.
- Bewegung erleichtern: Türschwellen entschärfen, häufig genutzte Dinge in greifbare Höhe räumen, festes Schuhwerk statt loser Hausschuhe.
Gehen Sie einmal gemeinsam durch die Wohnung, als würden Sie sie zum ersten Mal betreten. Wo muss man sich abstützen? Wo ist es dunkel? Für den Einbau von Haltegriffen oder einen barrierearmen Umbau gibt es unter Umständen Zuschüsse der Pflegekasse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Die genauen Voraussetzungen und Beträge prüfen Sie am besten direkt bei der zuständigen Pflegekasse, da diese im Einzelfall unterschiedlich ausfallen können. Weitere praktische Hinweise für die Begleitung finden Sie in unserem Bereich für Angehörige.
Für das nächste Mal absichern: schnelle Hilfe organisieren
Die größte Sorge nach einem Sturz ist oft nicht der Sturz selbst, sondern die Vorstellung, hilflos am Boden zu liegen und niemanden erreichen zu können. Genau hier setzt eine gute Absicherung an. Es geht nicht um Kontrolle, sondern um ein ruhiges Gefühl auf beiden Seiten.
Ein Hausnotruf ist dafür eine bewährte Lösung. Per Knopfdruck – meist über einen Sender am Handgelenk oder als Kette – lässt sich auf Wunsch eine Notrufzentrale oder eine hinterlegte Kontaktperson erreichen. Für unterwegs gibt es zusätzlich mobile Notruflösungen mit Ortung.
- Kosten: Ein klassischer Hausnotruf kostet je nach Anbieter und Leistungsumfang meist etwa 23 bis 50 Euro im Monat.
- Zuschuss: Ab Pflegegrad 1 beteiligt sich die Pflegekasse nach § 40 SGB XI seit dem 01.04.2026 mit 27 Euro pro Monat an den Kosten des Hausnotrufs.
- Antrag: Den Zuschuss beantragen Sie über den Anbieter oder direkt bei der Pflegekasse. Die genauen Voraussetzungen prüfen Sie im Einzelfall bei der zuständigen Stelle.
Neben der Technik hilft ein einfacher Notfallplan: eine Liste mit wichtigen Kontakten gut sichtbar am Kühlschrank, ein Ersatzschlüssel bei einer Vertrauensperson und feste Zeiten, zu denen Sie sich hören oder sehen. Schon ein kurzer täglicher Anruf gibt Sicherheit.
Ruhe bewahren und das Gespräch suchen
Nach einem Sturz schwanken viele Angehörige zwischen Sorge und dem Wunsch, sofort alles zu regeln. Wichtiger ist ein ruhiges, respektvolles Gespräch. Ihre Eltern sollen mitentscheiden, nicht überstimmt werden.
- Zuhören: Wovor haben Ihre Eltern selbst Angst? Was möchten sie unbedingt behalten?
- In kleinen Schritten: Beginnen Sie mit einer Maßnahme, die spürbar entlastet, statt alles auf einmal umzustellen.
- Selbstbestimmung achten: Sicherheit und Eigenständigkeit sind kein Widerspruch. Ein Hausnotruf etwa gibt Freiheit zurück, weil im Notfall Hilfe erreichbar ist.
Auch Ihre eigene Entlastung zählt. Verteilen Sie Aufgaben in der Familie und scheuen Sie sich nicht, Beratungsangebote zu nutzen, etwa bei Pflegestützpunkten in Ihrer Nähe.
Ihr nächster Schritt
Wenn der erste Schreck vorbei ist, gehen Sie den Fahrplan in Ruhe der Reihe nach durch: ärztlich abklären, Ursache verstehen, die Wohnung entschärfen und die schnelle Hilfe für das nächste Mal organisieren. Ein guter erster Schritt ist, gemeinsam durch die Wohnung zu gehen und über einen Hausnotruf zu sprechen. So verwandeln Sie einen erschreckenden Moment in konkrete, machbare Verbesserungen – für ein sicheres Zuhause und ein ruhiges Gefühl auf beiden Seiten.
Häufige Fragen
Meine Eltern sind gestürzt – wann muss ich den Notruf 112 wählen?
Wählen Sie die 112, wenn die Person nicht ansprechbar ist, über starke Schmerzen klagt, wenn der Verdacht auf einen Knochenbruch oder eine Kopf- oder Nackenverletzung besteht oder wenn Sie unsicher sind. Bewegen Sie die Person in diesen Fällen möglichst nicht, halten Sie sie warm und bleiben Sie dabei, bis Hilfe eintrifft.
Sollte ich nach einem Sturz auch dann zum Arzt, wenn nichts weh tut?
Ein ärztlicher Blick ist meist sinnvoll, denn manche Folgen zeigen sich erst später. Klären Sie leichtere Fälle beim Hausarzt ab, deutliche Beschwerden in der Notaufnahme. Fragen Sie außerdem nach der Ursache des Sturzes, etwa Kreislauf, Sehkraft oder Medikamente, um weitere Stürze zu vermeiden.
Zahlt die Pflegekasse einen Zuschuss zum Hausnotruf?
Ja. Ab Pflegegrad 1 beteiligt sich die Pflegekasse nach § 40 SGB XI seit dem 01.04.2026 mit 27 Euro pro Monat an den Kosten des Hausnotrufs. Ein klassischer Hausnotruf kostet je nach Anbieter meist etwa 23 bis 50 Euro im Monat. Den Antrag stellen Sie über den Anbieter oder die Pflegekasse; die genauen Voraussetzungen prüfen Sie im Einzelfall bei der zuständigen Stelle.
Wie überzeuge ich meine Eltern von einem Hausnotruf, ohne sie zu bevormunden?
Suchen Sie das ruhige Gespräch und hören Sie zu, welche Sorgen und Wünsche Ihre Eltern haben. Betonen Sie, dass ein Hausnotruf Freiheit und Eigenständigkeit erhält, weil im Notfall schnell Hilfe erreichbar ist. Beginnen Sie mit einem kleinen Schritt statt vieler Veränderungen auf einmal.